Hauptsache, mobil!

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Es ist kein Traum mehr, bar­ri­ere­frei zu bauen, auf Ram­pen, Brücken und Lauf­ste­gen im All­tag und auf Reisen unter­wegs sein zu können.

Selb­stver­ständlich ärg­ern wir uns immer wieder über die Deutsche Bun­des­bahn, wenn wir unsere schw­eren Reisekof­fer nur mit Unter­stützung anderer Fahrgäste in den Zug heben kön­nen, aber diese „Baustelle“ kann mit Ram­pen geschlossen wer­den – hof­fentlich bald. Bar­ri­ere­frei denken und han­deln, heißt es heute.

Und auch in Zukunft. Am besten ist es, man fängt damit zuhause an. Und zwar in den eige­nen vier Wän­den, das möglichst bar­ri­ere­frei gebaut sein sollte. Jedoch kön­nen Alters­beschw­er­den und auch Ein­schränkun­gen anderer Art – etwa nach Unfällen – diesen Traum gefährden. Umso wichtiger ist es, schon während der Bauphase auf die nötige Flex­i­bil­ität zu set­zen. Die Bau­pla­nung sollte Voraus­set­zun­gen für nachträgliche Anpas­sun­gen berück­sichti­gen, die später mit einem gerin­gen baulichen Aufwand umset­zbar sind. Ziegel­wände ermöglichen eine flex­i­ble Nutzung der Immo­bilie – für das spätere Leben­salter wäre das eine sin­nvolle Planung.

Schwellen­los und stufenfrei

Für Per­so­nen, die auf Gehhil­fen oder Roll­stühle angewiesen sind, umfasst dies Schwellen und Stufen ebenso wie zu schmale Tür­rah­men. Zim­mertüren und Durchgänge sind daher immer mit einer Min­dest­bre­ite von 80 Zen­time­tern zu pla­nen – Ein­gangstüren sogar mit min­destens 90 Zen­time­tern Bre­ite. „Die hohe Tragfähigkeit mas­siver Mauerziegel ermöglicht eine beson­ders offene Bauweise. So passen im Falle des Falles selbst mobile Kranken­bet­ten bequem durch ver­bre­it­erte Wandöff­nun­gen“, erk­lärt Dr.-Ing. Thomas Fehlhaber von der Unipor-Ziegel-Gruppe in München. Von großer Bedeu­tung ist auch das Bad: Die freie Nutzfläche sollte hier min­destens 3,6 Quadrat­meter betra­gen und die Dusche boden­gle­ich einge­setzt wer­den. Ideal ist ein Grun­driss, der später das alter­na­tive Auf­stellen einer Bade­wanne ermöglicht. Auf diese Weise ist der Raum für eine Nutzung in allen Leben­sphasen vorbereitet.

Weniger Hin­dernisse im Alltag

Im All­tag gestal­tet sich die Mobil­ität, beson­ders für Roll­stuhlfahrer zuweilen noch schwierig. Nicht alle Höhe­nun­ter­schiede kön­nen während der Bauphase kalkuliert wer­den – danach kommt es dann auf flex­i­ble und schnell real­isier­bare Lösun­gen an. Bar­ri­ere­freie Zu-, Ab– und Übergänge sich­ern sta­bile Ram­pen, Brücken und Lauf­stege aus rutschsicherem Alu­minium, entweder für den dauer­haften Ein­satz oder als flex­i­ble Hil­f­s­mit­tel. Je nach Ein­sat­zort und –zweck kön­nen die einzel­nen Bestandteile indi­vidu­ell zusam­mengestellt wer­den. So kön­nen Hin­dernisse, Höhe­nun­ter­schiede oder auch Stolper­fallen ein­fach und schnell eli­m­iniert und in bar­ri­ere­freie Alter­na­tiven umgerüstet wer­den. Und das ganz ohne aufwändige und kosten­in­ten­sive Umbau­maß­nah­men. „Egal, ob die drei kleinen Trep­pen­stufen vor der eige­nen Haustür, vor dem Café und Super­markt oder auch der Höhe­nun­ter­schied beim Ein­steigen in Bus und Bahn: Mit bar­ri­ere­freien Zugän­gen kön­nen solche Hin­dernisse für Roll­stuhlfahrer, Senioren mit Rol­la­tor, Eltern mit Kinder­wa­gen oder auch Men­schen mit Gepäck leicht umgan­gen wer­den“, erk­lärt Fer­di­nand Munk, Geschäfts­führer der Günzburger Steigtechnik.

Bar­ri­ere­frei auf Spiekeroog

Weiße Sand­strände, die reine Luft der Nord­see, weite Dünen — und immer ohne Autolärm. Das stellen wir uns unter Spiekeroog vor. Lei­der ist die ost­friesis­che Nord­seein­sel noch nicht über­all bar­ri­ere­frei, und um das zu ändern, ist in let­zter Zeit viel passiert. So startet Spiekeroog inklu­siver denn je in die neue Sai­son und punk­tet mit Fort­be­we­gungsmit­teln für den Strand, wie dem elek­trisch betriebe­nen All­radroll­stuhl cad­Wea­zle. Dank seines Solarpan­els lässt sich das gelän­de­taugliche Fahrzeug umweltscho­nend aufladen. Darüber hin­aus wur­den die Tourist-Information „Kogge“, das Insel­Bad und der Spiekerooger Strand auf Bar­ri­ere­frei­heit hin erfol­gre­ich über­prüft. Das Gle­iche gilt auch für die Fähran­leger in Neuhar­linger­siel und Spiekeroog sowie für die bei­den Schiffe „Spiekeroog I“ und „Spiekeroog II“ – viele gute Beispiele, die noch mehr Bar­ri­ere­frei­heit für die Zukunft ver­sprechen. rb/djd/jm

 

Foto: Patrick Kösters/Archiv Nord­see­bad Spiekeroog GmbH